Fastening57 · Fachwissen

Fassaden-Glossar
Fachbegriffe der VHF erklärt

Alle wichtigen Abkürzungen, Normen und Fachbegriffe rund um vorgehängte hinterlüftete Fassaden — verständlich erklärt für Architekten, Planer und Fachverarbeiter.

Glossar-Übersicht
Begriffe50+ Einträge
Kategorien3 Themenbereiche
NormenDIN · EAD · EN
ZielgruppeArchitekten · Planer · Verarbeiter
Stand2024

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50+

Fachbegriffe erklärt
3

Themenkategorien
5 EADs

Aktuelle Zulassungen
2024

Aktueller Stand

Kategorie 1

Normen & Zulassungen

Die maßgebenden Regelwerke für vorgehängte hinterlüftete Fassaden in Deutschland und Europa — mit Stand Oktober 2024.

DIN 18516-1
Außenwandbekleidungen, hinterlüftet — Teil 1. Die maßgebende deutsche Norm für vorgehängte hinterlüftete Fassaden. Stand Oktober 2024. Regelt Mindestlüftungsquerschnitt (200 cm²/m bei 20 mm Luftspalt), Anforderungen an Unterkonstruktion, Befestigung und Hinterlüftung. Pflichtlektüre für jeden VHF-Planer.

EAD 090062
Europäisches Bewertungsdokument — VHF-Komplettsystem. Regelt die gesamte vorgehängte hinterlüftete Fassade als System. Hat ETAG 034 ersetzt. Grundlage für die CE-Kennzeichnung von VHF-Systemen in Europa.

EAD 330284
Kunststoffdübel für Beton und Mauerwerk. Ersetzt ETAG 020. Regelt die technischen Anforderungen und Prüfverfahren für Kunststoffdübel zur Befestigung von Wandhaltern in Beton und Mauerwerk. Maßgebend für die Auswahl des richtigen Dübelsystems.

EAD 330076
Injektionsanker für Mauerwerk. Regelt Verbundanker und Injektionssysteme für Mauerwerk. Pflicht bei Hohlkammerziegeln, bei denen keine Spreizanker verwendet werden dürfen. Höhere Tragfähigkeit als Kunststoffdübel bei schwerem Mauerwerk.

EAD 330232
Metallanker für Beton. Regelt metallische Dübelsysteme (Spreizanker, Hinterschnittanker) für die Befestigung in Beton. Höhere Tragfähigkeiten als Kunststoffdübel — Standard bei Sichtbeton und hochbelasteten Fassaden.

ETAG 034
Ausgelaufen — ersetzt durch EAD 090062. War die europäische Leitlinie für Kits zur Außenwandbekleidung. Seit Einführung der EADs nicht mehr gültig. In älteren Ausschreibungen noch anzutreffen — bei neuen Projekten immer auf EAD 090062 verweisen.

DIN EN 1991
Einwirkungen auf Tragwerke — Windlasten. Eurocode 1, Teil 1-4. Maßgebend für die Bemessung der Unterkonstruktion gegen Windlasten. Je nach Windlastzone (1–4) und Gebäudehöhe ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Wandhalter und Achsabstände.

DIN EN 13501-1
Klassifizierung des Brandverhaltens von Bauprodukten. Einteilung in Klassen A1 (nicht brennbar) bis F (keine Leistung bestimmt). Faserzement ist A2, Aluminium A1. Relevant für Gebäude ab bestimmten Geschosszahlen und Sonderbauten.

DIN EN 12467
Faserzement-Tafeln — Produktnorm. Regelt Anforderungen an Faserzement-Flachplatten für Außenanwendungen: Biegezugfestigkeit, Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und Maßtoleranzen. Grundlage für die Auswahl geeigneter Faserzementplatten für VHF-Fassaden.

LBO / MBO
Landes- / Musterbauordnung. Brandschutzanforderungen für Fassaden variieren je Bundesland. Ab bestimmten Gebäudeklassen (i.d.R. ab GK 4) gelten verschärfte Anforderungen an das Brandverhalten der Außenwandbekleidung. Immer die jeweilige LBO des Bundeslandes prüfen.

Kategorie 2

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Konstruktion & Aufbau

Die wichtigsten Fachbegriffe zum Aufbau, zur Planung und zur Ausführung vorgehängter hinterlüfteter Fassaden.

VHF
Vorgehängte Hinterlüftete Fassade. Mehrschichtiger Fassadenaufbau bei dem die Bekleidung mit Abstand zur Wand befestigt wird. Der Luftspalt (min. 20 mm, Querschnitt min. 200 cm²/m nach DIN 18516-1:2024-10) ermöglicht das Austrocknen von Feuchtigkeit. Technisch überlegen gegenüber WDVS bei Langlebigkeit und Feuchteschutz. → Mehr zur VHF-Fassade

UK
Unterkonstruktion. Das tragende Gerüst zwischen Tragwand und Fassadenbekleidung. Besteht aus Wandhaltern (L-Konsolen oder ConArc) und Profilen (T- oder L-Profil aus Aluminium, oder KVH aus Holz). Die UK überträgt alle Lasten der Bekleidung in den Untergrund.

Hinterlüftung
Belüfteter Luftspalt zwischen Dämmung und Bekleidung. Mindestanforderung nach DIN 18516-1:2024-10: Spaltbreite min. 20 mm, Lüftungsquerschnitt min. 200 cm²/m (= 2 cm²/cm). Funktioniert durch den Kamineffekt — Luft tritt unten ein und oben aus. Verhindert Kondensation und Frostschäden.

Wandabstand
Abstand zwischen Wandoberfläche und Profilaußenkante. Ergibt sich aus: Dämmstärke + Luftspalt + Profiltiefe. Typische Werte: 80–260 mm. ConArc Typ 3 deckt 145–260 mm stufenlos ab, L-Konsolen 74–230 mm mit ca. 30 mm Verstellbereich je Typ.

Fixpunkt (FP)
Befestigungspunkt der Bewegung in alle Richtungen verhindert. Pro Platte genau ein Fixpunkt — üblicherweise in der Plattenmitte. Das Bohrloch entspricht exakt dem Schraubendurchmesser. Nimmt alle Kräfte auf. Kombination mit Gleitpunkten zwingend erforderlich. → L-Konsole FP ansehen

Gleitpunkt (GP)
Befestigungspunkt der Bewegung in einer oder beiden Richtungen erlaubt. Bohrloch in der Platte ist größer als Schraubendurchmesser. Dehnungsspiel: größter Abstand vom Fixpunkt in Metern × 2 = benötigtes Spiel in mm. Nimmt keine Horizontalkräfte auf. → L-Konsole GP ansehen

Achsabstand
Abstand zwischen den Achsen zweier benachbarter Profile oder Wandhalter. Richtet sich nach Plattenformat, Plattendicke und Windlastzone. Typische Werte: 400–600 mm. Bei größeren Plattenformaten oder höheren Windlasten (Zone 3–4) engere Abstände erforderlich.

Thermostop
Wärmedämmende Einlage zwischen Wandhalter und Tragwand. Unterbricht die Wärmebrücke an der Befestigungsstelle. Reduziert Wärmeverlust und verhindert Kondensation an der Innenwand hinter dem Wandhalter. Bei Niedrigenergie- und Passivhäusern zwingend erforderlich. In allen Fastening57 L-Konsolen integriert.

Wärmebrücke
Bereich erhöhter Wärmeleitfähigkeit in der Gebäudehülle. Metallische Wandhalter ohne Thermostop leiten Wärme direkt von innen nach außen — erhöhen den Energiebedarf und können zu Kondensation führen. Minimierung durch Thermostop-Einlagen und optimierte Wandhaltergeometrie.

WDVS
Wärmedämm-Verbundsystem. Alternativsystem zur VHF: Dämmung wird direkt auf die Wand geklebt und verputzt — kein Luftspalt. Günstiger in der Anschaffung, aber feuchteempfindlicher und gestalterisch eingeschränkter als VHF. Nicht für alle Bekleidungsmaterialien geeignet.

Windlastzone
Einteilung des Bundesgebiets nach Windbelastung (Zonen 1–4). Je höher die Windlastzone und Gebäudehöhe, desto größer die Sogkräfte auf die Fassade. Bestimmt maßgeblich die erforderliche Tragfähigkeit der Wandhalter und den Achsabstand der UK. Zone 4: Küstenregionen und Mittelgebirge.

Dehnungsspiel
Übermaß des Bohrlochs am Gleitpunkt für thermische Ausdehnung. Berechnung: größter Abstand vom Fixpunkt zum Plattenrand (in m) × 2 = Dehnungsspiel in mm. Beispiel: 2 m Abstand → 4 mm Dehnungsspiel. Ohne ausreichendes Spiel entstehen Spannungsrisse oder Plattenbrüche.

Hinterschnitt-Anker
Verdecktes Befestigungssystem für Fassadenplatten. Anker wird in die Rückseite der Platte eingebohrt und hintergreift das Material — keine sichtbare Befestigung von vorne. Plattendicke mindestens 10 mm erforderlich. Höchste gestalterische Qualität, typisch für repräsentative öffentliche Gebäude.

Korrosionsschutz-klasse
Klassifizierung nach DIN EN ISO 12944 (C1–C5). Bestimmt die erforderliche Beschichtung oder Materialwahl für Metallbauteile je nach Umgebungsbelastung. Für Küstenregionen (C4–C5) empfehlen sich Edelstahl A4 oder feuerverzinkte Teile. Standard im Inland: Verzinkung oder Alu-Legierung.

Kategorie 3

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Produkte & Systeme

Produktbezeichnungen, Systemnamen und Materialbezeichnungen aus dem Bereich Fassadenunterkonstruktion — mit direkten Verlinkungen zu den Produktseiten.

ConArc
Modulares, stufenlos verstellbares Wandhalter-System von Fastening57. Besteht aus Wandhalter und austauschbarem Bogen. Typ 3 deckt Wandabstände von 145–260 mm ab. Für alle Untergründe (Beton, Mauerwerk, Holz). Twin = KVH-Profil, Single = Aluminium-Profil. → Zum ConArc System

ConArc Twin
ConArc-Variante für KVH-Profile (Konstruktionsvollholz). Wird nicht nach Untergrund unterschieden — Twin und Single sind auf allen Untergründen einsetzbar. Der Name bezieht sich auf die doppelte Profilaufnahme für KVH 100/60 mm. → Produkt ansehen

ConArc Single
ConArc-Variante für Aluminium-Profile. Für T- und L-Profile aus Aluminium. Ebenfalls auf allen Untergründen (Beton, Mauerwerk, Holz) einsetzbar. Typ 3: 145–260 mm stufenlos. → Produkt ansehen

L-Konsole
Einteiliger Wandhalter für VHF-Fassaden. Wandabstände 74–230 mm, Verstellbereich ca. 30 mm je Typ. Erhältlich als Festpunkt (FP) und Gleitpunkt (GP). Aus stranggepresstem Aluminium mit Thermostop. Wirtschaftliche Standardlösung für Neubauten mit fixen Wandabständen. → Zur L-Konsolen-Seite

KVH
Konstruktionsvollholz. Technisch getrocknetes und sortiertes Nadelholz für tragende Konstruktionen. In der VHF-Unterkonstruktion typisch: KVH 100/60 mm als horizontales Tragprofil. Günstig, gut verarbeitbar, diffusionsoffen. Wird mit ConArc Twin oder Holz-Wandhaltern kombiniert.

T-Profil
Aluminium-Tragprofil mit T-förmigem Querschnitt. Höhere Tragfähigkeit als L-Profil. Geeignet für größere Plattenformate, schwerere Bekleidungsmaterialien (Naturstein, Keramik) und höhere Windlastanforderungen. Typische Bezeichnung: T90, T120. Wird mit L-Konsolen oder ConArc Single kombiniert.

L-Profil
Aluminium-Tragprofil mit L-förmigem Querschnitt. Schlanker und leichter als T-Profil. Geeignet für leichtere Bekleidungen (HPL, dünner Faserzement) und moderate Windlasten. Typische Bezeichnung: L40. Günstigere Alternative zum T-Profil bei passenden Anforderungen.

HPL
High Pressure Laminate — Hochdrucklaminat. Fassadenplatten aus unter Druck und Wärme verpresstem Zellulose-Phenolharz. Hohe Biegesteifigkeit, UV-beständig, viele Oberflächen. Thermische Ausdehnung quer zur Platte doppelt so groß wie längs — Fix-/Gleitpunkte zwingend. → Zur HPL-Seite

Faserzement
Fassadenplatten aus Zement, Zellulosefasern und Zuschlägen. Nicht brennbar (A2 nach DIN EN 13501-1), witterungsbeständig, wartungsarm. Hergestellt im Hatschek-Verfahren, asbestfrei. Längenausdehnungskoeffizient ca. 0,01 mm/m·K. Bekannte Marken: EQUITONE (Eternit), Cembrit, Viroc. → Zur Faserzement-Seite

EQUITONE
Markenname für Faserzement-Fassadenplatten von Eternit. Produktlinien: Natura (roh, unbehandelt), Tectiva (strukturiert), Linea (gerillt), Pictura (lackiert). Plattenformate bis 3.100 × 1.250 mm, Dicken 8–12 mm. Eines der meistverwendeten Faserzement-Produkte für VHF-Fassaden in Deutschland.

Edelstahl A4
Nichtrostender Stahl der Qualität 1.4401 / 1.4404 (316L). Höchste Korrosionsbeständigkeit, auch in Meeresatmosphäre geeignet (Chloridbeständigkeit). Für Wandhalter-Bögen in Küstengebieten oder bei aggressiver Umgebung. Teurer als verzinkter Stahl, aber deutlich langlebiger. Standard bei ConArc-Bögen in Sonderausführung.

Feuerverzinkung
Korrosionsschutz durch Tauchen in flüssiges Zink (min. 450°C). Schichtdicke min. 45–85 µm nach DIN EN ISO 1461. Standard-Korrosionsschutz für Stahlbauteile in Innenlagen. Für Außenbauteile mit direkter Bewitterung empfiehlt sich Edelstahl A4 oder Aluminium.

Injektionsanker
Verbundanker der mit Injektionsmörtel in Bohrlöcher eingesetzt wird. Nach EAD 330076 für Mauerwerk. Pflicht bei Hohlkammerziegeln, Lochziegeln und porösem Mauerwerk, da Spreizanker keine ausreichende Tragfähigkeit erzielen. Höhere Montagezeit, aber zuverlässige und normgerechte Tragfähigkeit.

Hatschek-Verfahren
Herstellungsverfahren für Faserzementplatten. Entwickelt 1900 von Ludwig Hatschek. Zellulosefasern, Zement und Zuschläge werden in Wasser suspendiert und schichtweise auf einem Siebzylinder aufgetragen. Anschließend autoklaviert (Dampfhärtung). Ergibt dichte, feste Platten ohne Asbest.

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